HAUS HSBW
NEUBAU EINES EINFAMILIENHAUSES // ZUSAMMENARBEIT MIT FLORIAN BALLER // FOTOS KIM FOHMANN // BAUHERR PRIVAT // HEIDELBERG // 2021 - 2024
Haus HSBW
In der Heidelberger Weststadt, am Schnittpunkt zwischen historischem Bergfriedhof und Bahntrasse, manifestiert sich mit dem Haus HSBW eine architektonische Interpretation zeitgenössischen Wohnens. Das Projekt nimmt die besondere Herausforderung eines keilförmigen Grundstücks auf und entwickelt daraus eine charakteristische Formensprache, die gleichzeitig Präsenz zeigt und Geborgenheit schafft. Die architektonische Konzeption basiert auf der Differenzierung zweier Volumen: Ein eingeschossiger Sockelbau mit vertikaler Holzstülpschalung bildet die Basis, während ein großzügig auskragendes Dachvolumen mit silberner Stehfalzdeckung darüber zu schweben scheint. Die westliche Rundung des Baukörpers reagiert auf die städtebauliche Situation der Straßenkreuzung und schafft durch die umlaufende Traufe eine fließende Überleitung. Zur östlichen Wohnbebauung vermittelt eine gestuckte Putzfassade mit akzentuiertem Eingangsbereich.
Der Grundriss entwickelt sich entgegen der symmetrischen Eingangssituation in einer überraschend asymmetrischen Raumfolge. Die Erschließung folgt dabei konsequent dem natürlichen Lichteinfall durch präzise gesetzte Öffnungen. Eine klare Zonierung trennt die großzügigen Gemeinschaftsbereiche im leicht abgesenkten Erdgeschoss von den kompakt organisierten Individualräumen im Obergeschoss. Zwei Lufträume schaffen vertikale Verbindungen zwischen den Ebenen.
In der konstruktiven Umsetzung verbindet das Haus traditionelles Handwerk mit zeitgemäßer Technik. Die Holzständerbauweise wurde mit Recyclingdämmung und Holzfaserplatten für optimalen sommerlichen Wärmeschutz ausgeführt. Der sichtbare Betonsockel im Inneren korrespondiert mit dem geschliffenen Designestrich und erzeugt eine charakteristische Beckenwirkung. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Materialwahl gewidmet: Von handgefertigten Holzfenstern mit außenliegenden Schutzrahmen bis zu einheitlich blau gestrichenen Stahlelementen zeigt sich die Detailliebe des Entwurfs. Nachhaltigkeit wurde sowohl in der Materialwahl als auch in der technischen Ausstattung berücksichtigt. Eine Photovoltaikanlage, Luft-Wärme-Pumpe und ein Regenwasserspeicher für die Gartennutzung unterstreichen den ressourcenschonenden Ansatz.
In der Außenanlage fanden Materialien der ursprünglichen Werkshütte neue Verwendung - eine historische Grabsteinplatte wurde als skulpturales Element in die Gartengestaltung integriert. Das Haus HSBW zeigt, wie architektonische Innovation und kontextuelle Einbindung zu einer überzeugenden Synthese finden können. Es schafft einen Ort, der gleichzeitig öffentlich präsent ist und private Rückzugsmöglichkeiten bietet - eine zeitgemäße Interpretation städtischen Wohnens.