Das Werkstattgebäude in der Junkergasse, welches aus Mitte des 19. Jahrhunderts stammt, hat sich in ein modernes Wohnhaus verwandelt. Betritt man heute die älteste Gasse des einstigen Weindorfes Rohrbach, dem südlichen Stadtteils Heidelbergs, erkennt man noch immer den dörflichen Charme, welcher andernorts bereits so oft verloren gegangen ist. Von beiden Enden der kurzen Gasse ist das Haus klar sichtbar und spielt eine wichtige Rolle für den Gassenraum. Trotz der dichten Bebauung wirkt das Gebäude mit dem
kleinen vorliegenden Hof wie ein Solitär, der eine prägende, gar schützende Stellung für die Umgebung einnimmt. Das Bestreben war demnach von Beginn an den Bestand sinnvoll und feinfühlig in ein zeitgenössisches Wohnhaus umzubauen, um auch in Zukunft dessen Herkunft ablesen und im Kontext nachvollziehen zu können. Die Verbindung des Sockels in seiner historischen Erscheinung mit dem neuen Aufsatz in herkömmlicher Materialität, jedoch in moderner und minimalistischer Form, stand hierbei im Vordergrund.
Betritt man über die in den Wohnraum abgehängte Treppe den darüber liegenden neuen Kubus, welcher die Umrisse des alten Mauerwerkes nach oben weiterführt, gelangt man in eine heimelige Welt zwischen schönen hellen Oberflächen und massiven Holzböden. Der aufgesetzte Körper, komplett aus Holz ohne Dachüberstand konstruiert, ist eine zeitgenössische
Interpretation des ehemaligen Dachstuhles und beinhaltet alle privateren Räumlichkeiten wie Schlaf- und Badezimmer. Unbehandelte, sägeraue und unterschiedlich breite Lärchenholzbretter sind in senkrechter Richtung an die Fassade angebracht und werden in variierenden Höhen gestoßen um eine relative visuelle Willkür zu erzeugen, die der Fassadentypologie eines alten Werkstattgebäudes ähnlich ist. Durch Witterung und Sonneneinstrahlung wird das anfangs noch helle Holz sicherlich schon bald unregelmäßig silbergrau bis dunkel werden und einen natürlichen Alterungsprozess durchlaufen, der absolut gewollt ist. Durch horizontal verschiebbare Fassadenelemente wird es möglich den kompletten Körper zu schließen um somit neben den typischen Funktionen Sichtschutz und Verdunklung die Erscheinung der ursprünglichen, geschlossenen Bebauung wiederherzustellen.
Warum der Titel „Vogelhaus“? Nicht zuletzt die Form ist Ausdruck des Namens und spiegelt ein Vogelhaus in überdimensionierte Ausführung dar, allerdings ist der ursprüngliche und viel simplere Grund der ehemalige Besitzer. Er vermachte den Bauherren im Sommer 2012 das alte Werkstatthaus. Der alte Herr Vogel. Das Vogelhaus.